Prüfungsordnung der Koppelgebrauchshunde-Prüfung

Allgemeine Bestimmungen:

Das Mindestalter der Hunde beträgt 24 Monate. Für jüngere Hunde bietet der WKCD einen Anlagentest oder eine Junghundprüfung an. Es dürfen nur äußerlich gesund erscheinende Hunde zu Prüfungen vorgeführt werden.

Der Abschluss einer Haftpflichtversicherung ist nachzuweisen, am Prüfungstag ist der Impfpass mit gültiger Tollwutschutzimpfung vorzulegen. Die Hunde müssen entweder durch Tätowierung oder Mikrochip eindeutig identifizierbar sein. Läufige Hündinnen dürfen an der Prüfung teilnehmen, sie müssen jedoch in der Startfolge an das Ende der Prüfung gesetzt werden und sind bis zum Aufruf vom Prüfungsgelände fern zu halten. Jeder Hund ist an einer Herde von 15 – 20 Schafen zu prüfen. Die Schafe müssen das Hüten mit Hunden gewohnt sein. Die Herde kann – sofern die Schafe noch keine Ermüdungserscheinungen zeigen – für max. 3 Durchgänge eingesetzt werden. Innerhalb jeder Schafgruppe sind 10 Schafe in deutlicher Form durch farbige Halsbänder oder Spray zu markieren. Die Prüfung wird von 1 Richter beurteilt, der seine Bewertung nach dem für die einzelnen Aufgaben festgelegten Punkteschlüssel vornimmt. Das Richterurteil ist unanfechtbar. Der Richter kann die Prüfung abbrechen, wenn der Hundeführer durch eigenes Verschulden eine Situation erzeugt hat, aus der heraus ein ordnungsgemäßes Beenden des Durchgangs nicht mehr möglich ist. Prüfungsabbruch erfolgt ebenfalls bei tierschutzwidrigem Verhalten des Hundeführers. Treten im Verlauf der Prüfung Störeinflüsse auf, die nicht auf ein Fehlverhalten des Hundes bzw. des Handlers beruhen, so steht es dem Richter frei, die Prüfung an dieser Stelle zu unterbrechen und dem Handler die Möglichkeit zu einem neuen Durchgang zu geben. Bei widrigen Witterungsverhältnissen (z.B. starker Hitze) kann der Parcours der Situation verkürzt oder geändert werden. Um den Hund zu lenken, sind dem Handler Hörzeichen incl. Pfeifsignale sowie Sichtzeichen gestattet. Übermäßiges Kommandieren führt zu Punktabzug. Körperliche Einwirkungen auf den Hund sind nicht gestattet. Mit den Schafen darf in angemessener, tierschutzgerechter Weise hantiert werden, Misshandlungen der Schafe von Handler oder Hund führen zum Prüfungsabbruch.

Der Handler sollte durch seine Kleidung die Verbundenheit zur Schafhaltung bzw. zur Landwirtschaft dokumentieren und ebenfalls eine Kopfbedeckung tragen.

Vor Beginn bzw. am Ende einer Prüfung begibt sich der jeweilige Handler zum Richter, um sich und seinen Hund an- bzw. abzumelden und evt. Hinweise des Richters entgegen zu nehmen. Hunde, die sich nicht im Prüfungsablauf befinden bzw. nicht als Hilfehunde benötigt werden, sind grundsätzlich an der Leine zu führen, um Störeinflüsse zu vermeiden.

Aufgaben: 

Aufgabe 1 – Zusammentreiben und Heranholen der Schafe (15 Punkte)

Die Herde befindet sich auf einer möglichst quadratisch eingezäunten Koppel. Die Einzäunung kann beispielsweise mit Elektronetzen vorgenommen werden. Vom Eingang dieser Fläche aus schickt der Handler seinen Hund und lässt durch ihn die Schafe zusammentreiben und zum Eingang bringen. Das Zusammentreiben und Heranholen der Schafe sollte möglichst ruhig geschehen. Dem Handler ist gestattet, zur Unterstützung seines Hundes bis zur Mitte der Fläche zu gehen, volle Punktbewertung kann jedoch nur erfolgen, wenn der Handler in einem markierten Bereich am Eingang zurückbleibt, der ca. 150 m von den Schafen entfernt ist.

Aufgabe 2 – Stabilisierung und Sichtung der Herde (5 Punkte) 

Wenn die Schafe den markierten Bereich erreicht haben, wird die Herde stabilisiert und der Handler sichtet die Herde auf Vollständigkeit und optischen Gesundheitszustand (z.Bsp. Lahmheit). Auf Genehmigung des Richters geht es zur Aufgabe 3.

Aufgabe 3 – Auspferchen durch ein Tor (5 Punkte) 

Die Herde ist aus der Koppel durch ein 1 -1,5 m breites Tor auf einen Weg zu treiben. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Schafe in ruhigem Tempo und ohne sich zu quetschen durch das Tor gehen.

Aufgabe 4 – Ziehen (20 Punkte) 

Beim Ziehen mit der Herde sollte insgesamt eine Strecke von min. 500 Metern zurückgelegt werden. In dieser Wegstrecke sind die Aufgaben „Brücke“, „Kreuzung“, „Slalom“ und/oder „Straßenverkehr“ mit aufgenommen, außerdem kann die Strecke eine oder mehrere „scharfe“ Ecken enthalten, an denen rechtwinklig abgebogen werden muss. Das Ziehen sollte in gleichmäßigem ruhigem Tempo und nicht im „Stopp and Go“ gezeigt werden. Der Hund ist so einzusetzen, dass die Schafe davon abgehalten werden, zurück zu bleiben oder den Weg zu verlassen, um in angrenzende Kulturen einzudringen.

Aufgabe 5 – Brücke (10 Punkte) 

Während des Ziehens ist die Herde über eine Brücke zu treiben. Hierfür kann (sofern vorhanden) eine natürliche Brücke verwendet werden. Alternativ dazu kann aus Hürden eine Wegverengung aufgebaut werden. Die Abmessungen sollten ca. 1,5 m in der Breite und mind. 4 m in der Länge betragen. Beim Einsatz des Hundes ist darauf zu achten, dass die Herde in ruhigem Tempo über die Brücke geht und dass kein Schaf vorbeiläuft. Ob der Handler vor der Herde über die Brücke läuft oder als Letzter die Brücke überquert ist dem Handler überlassen. Punktabzug gibt es lediglich, wenn Handler und Hund die Brücke nicht überqueren.

Aufgabe 6 – Kreuzung (10 Punkte) 

Im Verlauf des Ziehens soll die Herde an/in einer Wegkreuzung angehalten werden. Erst nach dem ein Fahrzeug den Querweg passiert hat, darf mit der Herde weitergezogen werden, wobei rechtwinklig abgebogen wird. Der Hund ist so einzusetzen, dass die Schafe weder geradeaus weiter laufen, noch den Winkel abkürzen.

Aufgabe 7 – scharfe Ecken (10 Punkte)

Beim Abbiegen ist darauf zu achten, dass die Ecke nicht als großer Kreis gearbeitet wird und/oder die Schafe abkürzen.

Aufgabe 8 – Straßenverkehr (10 Punkte)

An einer geeigneten Stelle kommt der Herde während des Ziehens ein Auto/Radfahrer o.ä. im Schritttempo entgegen. Der Hund ist so einzusetzen, dass die Herde in eine hierfür vorgesehene Ausbuchtung der Wegstrecke dirigiert wird und somit die Weiterfahrt des Fahrzeugs nicht behindert.

Aufgabe 9 – Behandlungsanlage (5 Punkte) 

Auf einer geeigneten Fläche ist eine Behandlungsanlage aufgebaut, durch die die Schafe hindurch getrieben werden. Dazu sind die Schafe in einem Vorraum zu pferchen. Erst wenn sich alle Schafe im Pferch befinden und dieser geschlossen ist, geht es weiter in den Behandlungsgang. Hieran schließt sich eine Sortieranlage an. Mit Hilfe dieser Anlage soll als Aufgabe 9 eine Gruppe von fünf gekennzeichneten Schafen abgesondert werden, mit denen dann die Aufgabe 10 (Verladen) durchgeführt wird.

Aufgabe 10 – Trennen/Sortieren (mit Anlage 5 Punkte – mit Hund frei ohne Anlage 10 Punkte)

Nach dem Durchlaufen der Behandlungsanlage soll aus der gesamten Herde eine Gruppe von 5 markierten oder vom Richter vorher festgelegten Schafen abgesondert werden, um sie danach auf einen bereitgestellten Anhänger zu verladen. Das Trennen kann auf zwei verschiedene Arten gezeigt werden.

Zuhilfenahme der Sortieranlage: Die Sortieranlage muss vom Handler so eingesetzt werden, dass aus der gesamten Herde eine Gruppe der vorher festgelegten Schafe abgesondert werden kann. Hier wird Wert auf Schaf schonendes Arbeiten gelegt.

Zuhilfenahme des Hundes ohne Sortieranlage: Nachdem Durchlaufen der Behandlungsanlage wird die komplette Herde durch die Sortieranlage getrieben, ohne diese zum Sortieren einzusetzen. Danach erfolgt auf freier Fläche der Einsatz des Hundes, durch den dann eine Gruppe von 5 gekennzeichneten Schafen aus der Herde abgesondert und direkt zum Anhänger getrieben wird. Anmerkung: Volle Punktzahl kann nur der Handler erreichen, der in max. 2 Versuchen genau 5 gekennzeichnete Schafe absondert. Für einen 3. und 4. Versuch werden je 2 Punkte abgezogen. Misslingt auch der 4. Versuch, ist die Prüfung mit den bis dahin abgesonderten Schafen fortzusetzen. Sollte bis dahin kein Schaf abgesondert sein, dann ist die Prüfung an dieser Stelle beendet.

Bespiele:

6 markierte Schafe abgetrennt: ·········································· minus 1 Punkt

4 markierte Schafe abgetrennt: ·········································· minus 1 Punkt

4 markierte, 1 unmarkiertes Schaf abgetrennt: ············· minus 1 Punkt

7 markierte Schafe abgetrennt: ·········································· minus 2 Punkte

3 markierte und 2 unmarkierte Schafe abgetrennt: ····· minus 2 Punkte

1 markiertes und 4 unmarkierte Schafe: ························· minus 4 Punkte

5 unmarkierte Schafe abgetrennt: ···································· 0 Punkte (Prüfung darf fortgesetzt werden)

Aufgabe 11 – Verladen (10 Punkte)

Die abgetrennte Gruppe, in der sich min. 1 markiertes Schaf befinden muss, soll auf einen bereitgestellten Anhänger verladen werden. Jede Umrundung der Schafe wird mit Punktabzug bewertet. Anschließend ist der Anhänger vorschriftsmäßig zu verschließen. Damit ist diese Aufgabe beendet. Das Öffnen des Anhängers und das Abräumen der Schafe ist mehr Bestandteil der Prüfung.

Gesamteindruck (10 Punkte) 

Neben der Bewertung der einzelnen Aufgaben vergeben die Richter auch Punkte für den Gesamteindruck. Folgende Kriterien sollen hierbei besondere Beachtung finden:

beim Hund:

  1. Temperament
  2. Arbeitsbereitschaft
  3. Lenkbarkeit
  4. Reaktionsgeschwindigkeit
  5. Fähigkeit, Schafe zu kontrollieren
  6. „Mitdenken“ in plötzlich auftretenden neuen Situationen
  7. angepasste Härte

beim Handler:

  1. sinnvoller Einsatz von Hör- und Sichtzeichen
  2. ruhiges, tiergerechtes Verhalten gegenüber den Schafen
  3. richtiges Einschätzen von plötzlich auftretenden neuen Situationen
  4. Auftreten in angemessener Kleidung
  5. An – und Abmeldung beim Richter

bei Beiden:

  1. Umgang und Zusammenarbeit als Team

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